Freitag, 10. April 2015

Throne of Glass - Die Erwählte von Sarah J. Maas

Hallo liebe Lesedetektive,

heute gehts mal wieder mit den Jugendbüchern weiter... :)

Euer Buchdetektiv


Lesedetektiv-Throne of Glass 1
Throne of Glass 1 - Sarah J. Maas

Originaltitel: Throne of Glass
Reihe: Throne of Glass

Verlag: dtv
Seitenzahl: 500
Erscheinung: 2013

Thalia












Handlung

Celaena Sardothien ist jung, schön und zum Tode verurteilt. Doch dann taucht Chaol Westfall, Captain der Leibgarde, auf und bietet ihr eine einzige Chance zum Überleben. Kronprinz Dorian hat sie dazu ausersehen, einen tödlichen Wettkampf zu bestreiten: Wenn es ihr gelingt, für ihn 23 kampferprobte Männer zu besiegen, wird sie ihre Freiheit wiedererlangen. Beim gemeinsamen Training mit Captain Westfall findet sie immer mehr Gefallen an dem jungen, geheimnisvollen Mann. Und auch der Kronprinz lässt sie nicht kalt. Zeit, über ihre Gefühle nachzudenken, bleibt ihr allerdings nicht. Denn etwas abgrundtief Böses lauert im Dunkeln des Schlosses - und es ist da, um zu töten.

Meine Meinung

Das Cover wirkt meines Erachtens eher abschreckend als anziehend. Ich persönlich habe das Gefühl, es könne sich nicht recht entscheiden, ob es nun geheimnisvoll verschnörkelt, eiskalt durch die Kriegerin oder mädchenhaft durch das hellblau wirken soll. Zwar machen alle drei Aspekte den Kern des Buches aus, aber dann solle man sich doch auch bitte auf dem Cover für einen entscheiden, statt so ein Mischmasch daraus zu zaubern.

Die Handlung erinnert leicht an eine Mischung aus dem mittelalterlichen Hype rund um Game of Thrones, Tribute von Panem und Selection, was so kurios klingt, dass ich neugierig wurde und das Buch wohl oder übel mitnehmen musste. Ich hatte große Angst, dass sich dieses Werk als peinliche Enttäuschung herausstellen würde, und obwohl es nun aufgrund einiger Schwächen nicht überragend ist, ist dennoch ein gewisser Spaßfaktor vorhanden.

Zur Handlung lässt sich kurz und trocken sagen, dass man alles natürlich auf die ein oder andere Weise kennt, aber trotzdem noch viele gute und spannende Motive enthalten sind. Besonders interessant ist dabei die gesamte Welt, in der der Roman spielt, die wie erwartet sehr mittelalterlich daherkommt, aber gleichzeitig Runenschriften und Elemente der nordischen Mythologie behandelt.
Damit schafft die Autorin eine interessante Welt, von der sich der Leser gerne entführen lässt.

Die bereits angesprochenen Schwachstellen bilden dabei die Charaktere. Ich muss zugeben, dass meine Schwäche für "literarische" Dreiecksbeziehungen (seit den Chroniken der Schattenjäger bestehend...) mich natürlich ebenfalls unterbewusst zu diesem Buch gezwungen hat, weswegen meine Neugierde größtenteils den drei Protagonisten galt.
Diese drei haben letztendlich aber nicht nur meine Schwäche, sondern auch mein Empfinden den Charakteren im Allgemeinen gegenüber sehr enttäuscht.
Zunächst einmal wirkt Celeana etwas abweisend, jedoch entwickelt sich ihr Charakter immer konfuser. So stehen teilweise ihre Handlungen und Gefühle im völligen Gegensatz zu ihrer Vergangenheit, die immer wieder betont wird, wodurch sie doch eine große Rolle spielt. So kann der Leser von vornherein gar keine Bindung erst zu ihr herstellen.
Alle anderen Charaktere wirken im Vergleich dazu sehr flach. So sind viele Handlungen bereits vorherzusehen, bei anderen wiederum ist erneut eine solche Verwirrung und Widersprüchlichkeit zu finden.
Da der Leser nun keinerlei Verbindungen zu irgendeiner Person herstellen kann, ist die Beziehungsgeschichte schlussendlich auch nicht nachzuvollziehen und daher bloß ein retardierender Faktor.

Fazit

Insgesamt lässt sich der erste Teil von "Throne of Glass" eher als eine Art Erzählung ansehen, in die der Leser zwar nicht wie bei Romanen im Allgemeinen hineingezogen wird, sondern eher das gesamte Geschehen beobachtet.
Damit muss er zwar einiges an Punkten einbüßen, hat aber dennoch einen Unterhaltungsfaktor, wenn auch auf etwas andere Weise.


& & & & &
2,5 von 5 Sternen

Donnerstag, 2. April 2015

Ein gutes Herz von Leon de Winter

Hallo liebe Lesedetektive,

heute möchte ich euch - wieder - ein niederländisches Werk vorstellen. Diesmal allerdings ein etwas Aktuelleres, nicht nur was die Thematik betrifft ;)


Viel Spaß!



Lesedetektiv-Ein gutes Herz
Ein gutes Herz-Leon de Winter

Verlag: Diogenes
Seitenzahl: 512
Erscheinung: 2013

Thalia














Handlung

Ein junges marokkanisches Fußballteam hält Amsterdam in Atem. Ein halbkrimineller jüdischer Geschäftsmann entdeckt plötzlich seine Bestimmung. Väter und Söhne finden schicksalhaft zueinander, und der ermordete Filmemacher Theo van Gogh bekommt postum den Auftrag, die Welt zu retten, da die Politik versagt. Dies alles atemberaubend miteinander verwoben im turbulenten, ironisch verspielten Roman von Leon de Winter, der gekonnt ›facts‹ und ›fiction‹ vermischt. (amazon)

Meine Meinung

Tja, na das ist doch mal eine aussagekräftige Handlungsangabe. Doch jetzt im Nachhinein betrachtet ergibt sie durchaus Sinn und ich persönlich wüsste auch keinen besseren Aufreißer, weil sonst zu viel Handlung verraten werden würde.
Klingt nach wenig Handlung? Da kann ich euch beruhigen, denn De Winter lässt Amsterdam in seinem Roman in Schutt und Asche legen.

Jedoch ist die Besonderheit - und da komme ich auch gleich zu meiner Rezension - in diesem Buch, dass der Autor jedes Kapitel aus der Sichtweise von vollkommen verschiedenen Charakteren beginnt, die scheinbar nichts verbindet. Und erst nach und nach wird dem Leser eine etwaige Verbindung zwischen diesen allen klar, die auch erst am Ende einen tatsächlichen Sinn ergibt und nun im Nachhinein bei mir persönlich immer noch für verblüffte Lacher über die Abstrusität der Auflösung sorgt.

Diese Besonderheit des Buches sorgt natürlich für eine Menge Unterhaltung, besonders wenn sich der finale Countdown bemerkbar macht, entwickelt sich das Buch zu einem echten Pageturner, den man nicht mehr so leicht aus der Hand legen kann/will.

Mehr als viel Lesespaß steckt in "Ein gutes Herz" allerdings auch nicht drin. Es behandelt kein tiefgründiges Thema wie "Rituale", sondern ist einzig und allein zur Unterhaltung gedacht, weswegen das Buch auch nicht allzu lange mit seinen Details in Erinnerung bleibt.

Jedoch wird besonders nicht-niederländischen Lesern die politische und soziale Lage in Amsterdam gezeigt und es lassen sich durchaus erschreckende Parallelen zu mehr oder weniger aktuellen Themen ziehen, die Integration verschiedener Kulturen und Religionen betreffen. Auch wenn diese längst nicht als Kritikpunkt im Vordergrund stehen, sondern mehr als Mittel zum Zweck dienen, so lässt doch auch das wieder Platz für Diskussionen :)
Dabei so ein Tipp am Rande: Alle, die vielleicht nicht allzu versiert sind, was die niederländische Politik betrifft, sollten besser während des Lesens die genannten Personen einmal nachschlagen, dann bekommt man eine viel bessere Vorstellung der Gesamtsituation, die sich langsam anbahnt. Im Übrigen ist nicht alles über die Charaktere wahr: So hat sich Leon De Winter, der in diesem Buch eine große Rolle spielt, nicht wirklich von seiner Frau getrennt :)
Klingt alles verrückt, oder? Die Verstrickung mit der Realität ist auch wirklich verblüffend...

Fazit

Insgesamt ist "Ein gutes Herz" ein Werk, das für eine Menge Spaß beim Lesen sorgt und nebenbei auch noch für die nicht-niederländischen Leser einen kulturell und politisch fortbildenden Faktor im Bonuspaket hat.
Jedoch lässt sich dieses niederländische Werk längst nicht mit einem tiefgründigen Buch wie "Rituale" vergleichen, weil es schlichtweg in einer "anderen Liga" spielt :)


& & & & &
3,5 von 5 Sternen

Mittwoch, 1. April 2015

Rituale von Cees Nooteboom

Hallo liebe Lesedetektive,

heute habe ich ein holländisches Buch für euch, das wahrscheinlich die Wenigsten kennen werden. Klingt etwas seltsam, aber wagt euch ran... :)


Euer Buchdetektiv



Lesedetektiv-Rituale
Rituale-Cees Nooteboom

Originaltitel: Rituelen

Verlag: Suhrkamp
Seitenzahl: 231
Erscheinung: 1980

Thalia













Handlung

Cees Nooteboom legt in seinem Erfolgsroman "Rituale" heiter und melancholisch Zeugnis ab von der weltschaffenden Kraft seines souveränen, leichten wie philosophischen Erzählens, seiner Fähigkeit, das Sein zum Schein und den Schein zum Sein zu verwandeln: Inni Wintrop will sich selbst töten, weil er in seinem Horoskop prophezeit hatte, seine Frau werde mit einem anderen durchbrennen, und er, der ja Löwe war, würde dann Selbstmord begehen. Doch wie der Tod so spielt, der Strick reißt, und Inni Wintrop sieht mit neuer Aufmerksamkeit die Menschen in seiner Stadt Amsterdam.

Meine Meinung

Klingt eigenartig, oder? Hab ich auch gedacht, war aber - wie immer - zu neugierig und habe mich schließlich rangewagt.
Dass "Rituale" sich zu einem meiner Lieblinge entwickeln würde, hätte ich nie erwartet.

Und das liegt nicht wie sonst an einem bestimmten Kriterium, wie zum Beispiel besonders interessanten Charakteren oder einer fesselnden Handlung, sondern ist es hier das Zusammenspiel zwischen speziellen Charakteren, einer seltsamen Grundidee und schließlich der Umsetzung in Form des Stils.

Im Fokus der Geschehnisse liegt natürlich Inni Wintrop, dessen Selbstmordversuch bereits zu Anfang des Buches geschildert wird. Dieser scheitert jedoch und von dort an wird sein Leben in Rückblicken erzählt. So erfährt der Leser langsam von seinem Familienhintergrund und bekommt einen Einblick in Innis Psyche, beziehungsweise was dafür gesorgt hat, dass sie so ist, wie sie ist. Außerdem lernt der Leser mit Inni in mehreren zeitlichen Rückblicken zwei Männer kennen, die auf der einen Seite zwar sehr gleich, aber dennoch auch grundlegend verschieden sind.

So viel sei erst einmal zur Handlung gesagt, denn der eigentliche Reiz liegt in diesem Buch darin, dass Inni all diese Geschehnisse bloß erzählt und gleichzeitig dabei so neutral bleibt, dass man annehmen könnte, er sei gar nicht Teil der Ereignisse, auf der anderen Seite aber doch so viele Schlüsse aus den Verhaltensweisen anderer Menschen und sich selbst zieht.

Insgesamt dreht sich alles in diesem Buch um die Frage, was denn nun im Leben wichtig sei bzw. wofür es sich überhaupt zu leben lohne.
Und obwohl dem Leser letztendlich keine Antwort geliefert wird, schafft es Nooteboom, das Leben an sich als gleichbleibenden Faktor so verschieden mithilfe seiner Charaktere darzustellen, dass ich gelegentlich das Buch beiseite legen musste, um immer wieder über die verschiedenen Lebensstile nachzudenken. Dabei steht natürlich auch die ganz große Frage im Raum, welche Lebensweise denn nun die wünschenswerte ist, aber so viele Antworten Nooteboom auch gibt, so wirft er mindestens doppelt so viele Fragen auf.
Das Besondere an diesem Buch allerdings ist meiner Meinung nach, dass der Leser von Anfang an weiß, dass ihm keine Antworten auf diese Fragen geliefert werden, sondern eine Art Material zum eigenständigen Nachdenken bekommt. 
Damit stellt das Buch tatsächlich bloß das dar, was es auch verspricht: eine Erzählung aus dem Leben von Inni Wintrop.

Interessant ist dabei auch, dass das Leben nicht wie sonst in anderen Büchern, die sich mit der Sinnsuche beschäftigen, als etwas Heiliges dargestellt wird, das es für jeden nur einmal gibt. Stattdessen geht Nooteboom doch sehr kritisch an das Leben heran und fragt den Leser tendenziell "Warum sollte man leben?", statt zu fragen "Warum sollte man nicht leben?".
Das sorgt natürlich für eine sehr düstere Atmosphäre und verleiht dem Buch einen melancholischen Touch.

Fazit

Insgesamt sellt dieses Werk damit für mich eine absolute Besonderheit in der philosophischen Literatur dar. Das liegt daran, dass nüchtern betrachtet Nooteboom dem Leser bloß eine einfache Erzählung liefert, die aber sehr unter die Haut geht und den Leser zu eigenständigen Überlegungen nahezu zwingt. Die melancholische Atmosphäre und die speziellen Charaktere sorgen zusätzlich daür, dass das Buch stark in Erinnerung bleibt.
Und somit lässt sich sagen, dass ein neuer Schatz sich zu meinen Lieblingsbüchern gesellt hat :)


& & & & &
5 von 5 Sternen